Mozarts „Requiem“ in den Bildern von Thomas Grochowiak

von mvm (erschienen in Ausgabe 05/2024)

Thomas Grochowiak (1914–2012) gehörte zu den profiliertesten Erscheinungen der deutschen Nachkriegsmoderne. Sein malerisches Werk lebt von einem sehr innigen Verhältnis zur Musik, besonders zu den Kompositionen Wolfgang Amadé Mozarts. Von ihnen ließ er sich zu allen Zeiten seines langen Malerlebens anregen, und zwar ganz unmittelbar von dessen Musik – ohne ikonographische Umwege sozusagen. Dazu befähigte ihn seine informell-intuitive Ausdrucksweise, die auf die abstrakte Wesensart der Tonkunst mit abstrakten Bildwelten antwortet – ähnlich wie es vor ihm Wassily Kandinsky oder Georgia O’Keeffe gehandhabt hatten.

Zwischen 1991 und 2000 schuf Grochowiak einen kompletten Zyklus zu Mozarts Requiem, der als Höhepunkt seines Spätwerks gelten kann. Die Bildsprache, die er den einzelnen Passagen des Requiems abgewinnt, changiert zwischen düster-bedrohlich und tröstlich-hoffnungsvoll. Die 14 großformatigen Gemälde beeindrucken durch ihre bald abgründige, bald durchlichtete Tiefe.

Der Anlass für die Ausstellung des Zyklus ist das Rahmenthema des Mozartfests 2024: Die Festspielsaison verschreibt sich „Schuld und Vergebung“; dem Requiem, in dem sich dieses Motto wie nirgendwo sonst verdichtet, wird dabei eine zentrale Rolle zufallen. Wer Grochowiaks informelle Kompositionen betrachtet, schwingt unweigerlich mit ein in die ungeheure Dynamik, aber auch die rezitativ-verhaltenen Gefühlswelten, die Mozarts Meisterwerk bestimmen und hervorrufen. Dieses immersive Erlebnis wird die Präsentation in der „Kleinen Galerie“ des Martin von Wagner Museums der Universität Würzburg vom 29. Mai bis zum 14. Juli prägen.

Begleitend wird es am 15. Juni wieder einen vom Mozartfest organisierten „Musik-Kunst-Dialog“ zur Ausstellung geben. Dieses seit Jahren überaus beliebte Stegreif-Format besteht darin, dass Professor Ulrich Konrad (Institut für Musikforschung) und Professor Damian Dombrowski (Martin von Wagner Museum) über Kunstwerke mit Musikbezug kontrovers diskutieren und sich gegenseitig die Grenzen der musikwissenschaftlichen und kunsthistorischen Methoden aufzeigen – sehr unterhaltsam und sehr lehrreich.

Bildnachweis: Martin von Wagner Museum

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